2. Spiegelungen

Wer suchet, der findet

 

Bei der ewigen Suche nach den wahren Zusammenhängen und ungeklärten Fragen des Lebens kommt man nicht umhin, tatsächlich in alle Richtungen und weltweit nach Antworten zu suchen.

Das gilt auch für die Suche nach dem Wahrheitsgehalt uralter Mythen, Legenden und Überlieferungen, für die Frage, ob es die in vielen Kulturen verehrten, oft aufwendig in Stein gehauenen und riesenhaft dargestellten Götter, die einst vom Himmel bzw. von den Sternen gekommen sein sollen, tatsächlich gab, ob „im Nichts“ um uns etwas existiert, warum es so viele Pyramiden auf der Erde gibt, wie das kleinste aller Teilchen aussieht, welche Eigenschaften es hat, ob es ein energetisches Netzwerk um uns gibt, oder um ganz anders geartete offene Fragen und noch verborgene Geheimnisse.

Es gibt unzählige, und nur dadurch, dass alle Erkenntnisse aus allen Bereichen des Lebens (auch jene, die eher noch Vermutungen sind), ganzheitlich betrachtet werden, ergibt sich ein mehr oder weniger klares Gesamtbild, in dem sich auch jene Stellen und Themenbereiche offenbaren, die noch unklar sind und Nachforschungen erfordern. Auch, und meist sogar ganz besonders, lernt man aus Fehlern, Niederlagen, Irrtümern und falschen Vermutungen, und die Neugier, die das ewige Zweifeln und Suchen am Laufen hält, wird dadurch entfacht, dass sich unaufhörlich immer wieder neue Geheimnisse und Fragen auftun, sobald man eine Antwort gefunden hat.

 

Die Worte „Wie oben, so unten“, die der Göttergestalt Hermes Trismegistos zugeschrieben werden, besagen, das sich alles Gegensätzliche in seinem Gegenüber spiegelt. Also auch „das Unsichtbare“, rein Geistige, im Sichtbaren, dem Materiellen, und umgekehrt.

Diese Aussage (die sich vielfach als Wahrheit feststellen lässt) wird in aller Regel als Metapher verstanden, da es keine konkreten, nachvollziehbaren Beweise dafür gibt, dass es generell so ist. Andererseits lässt sich leicht vorstellen, dass die ganze Schöpfung, also auch die Interaktion zwischen den Gegensätzen, nach identischen „Gesetzen“ funktioniert, deren ganzheitliche Funktionsweise wir einfach noch nicht durchschauen.

 

Ein uralter japanischer Mythos, der bis in die Zeit der Götter zurückreicht, und noch heute von besonderer Bedeutung ist, kann „Licht ins Dunkel“ bringen…

 

 

Die Heiligen Throninsignien Japans

 

Einer alten Überlieferung zufolge bekam vor langer Zeit der erste (mythische) Tenno von Japan von einer Sonnengöttin ein ganz besonderes Geschenk:

Drei Artefakte, die noch heute als „Heilige Kaiserinsignien“ verehrt werden. Die Geschichten die sich darum ranken, sind sehr interessant, denn es geht dabei um einen ganz besonderen Spiegel.

In Kapitel 10 des japanischen Kaiserhaus-Gesetzes, aus dem Jahr 1890, das noch heute Gültigkeit hat, wurde die Untrennbarkeit der „Heiligen Schätze der Kaiserlichen Ahnen vom Thron“ festgelegt. Dabei handelt es sich um die drei Artefakte; drei kaiserliche Throninsignien, die noch heute bei jeder Kaiserkrönung eine besondere Rolle spielen, ohne dass sie jemals öffentlich gesehen (bzw. gezeigt) wurden. Der japanische Kaiserpalast hält das Aussehen streng geheim und hat noch nie Beschreibungen oder Bilder davon freigegeben. Die Insignien sind weder für die Öffentlichkeit noch für wissenschaftliche Untersuchungen zugänglich, folglich ist alles, was man über ihr tatsächliches Aussehen und ihre Beschaffenheit sagt, reine Spekulation.

Bekannt ist aber, um was für drei Gegenstände es sich handelt.

Ein „Krummjuwel“

              (das mal als Perle, mal als Perlenkette oder als Edelstein  in Tränenform

              beschrieben wird)

Ein Schwert

Ein Spiegel

 

Die Artefakte sollen die drei höchsten Tugenden des Kaisers versinnbildlichen:

 

Das Juwel steht symbolisch für den Willen zum rechten Handeln,

das Schwert für Tapferkeit und

der Spiegel für Weisheit.

 

Man geht davon aus, dass die Sinnbilder auf die buddhistische Philosophie zurückgehen- und wie zuvor schon angesprochen, sind sie untrennbar miteinander vereint.

Die Legende besagt, dass es sich bei den drei Throninsignien, die Sanshu no Shinki genannt werden, um ein Geschenk „der Götter“ handelt, das einst an den ersten japanischen Kaiser, den Jimmu-Tenno, übergeben wurde. Fortan spielten die drei Artefakte bei jeder Krönung eine wichtige Rolle. Bis heute.

Der Name Jimmu, der dem Kaiser nachträglich gegeben wurde, bedeutet wörtlich übersetzt: „Göttliche Macht“.

Die Namensgebung begründet sich darauf, dass Jimmu der Legende nach der Urururenkel der Göttin Amaterasu ist, der japanischen Sonnengöttin des Shinto. Von ihr bekam er die drei Throninsignien als Geschenk.

 

Aufgrund der Beschreibungen des historischen Umfelds wird der Jimmu-tennō in das 7. Jahrhundert v. Chr. eingeordnet, die moderne Geschichtswissenschaft geht jedoch davon aus, dass er eine mythische Gestalt ist, die sich aus der Zusammenfügung mehrere Fürsten des japanischen Altertums zusammensetzt.

„Shinto“ (auch als Shintoismus bezeichnet und im Deutschen mit „Weg der Götter“ übersetzt) ist eine ethnische Religion, die vor allem in Japan verbreitet ist und aus vielen religiösen Kulten und Glaubensformen besteht, die mit Gottheiten (Kami) verknüpft sind. Kami können in jeder Gestalt in Erscheinung treten. Als Menschen oder Tiere, als Pflanzen, Steine, Berge, Wolken oder andere beliebige Gegenstände, und auch als ganz abstrakte Wesen.

Die Götter werden in besonderen Gebäuden, so genannten Shinto-Schreinen verehrt, von denen es in Japan ca. 80 000 bis 100 000 gibt. Die Anzahl macht deutlich, welchen Stellenwert  sie haben.

An der höchsten Spitze der Schreinhierarchie, als höchstes Heiligtum Japans, zu dem gegenwärtig jedes Jahr etwa 6 Millionen Menschen pilgern, steht der Ise-Schrein, der mit der Mythologie der Sonnengöttin Amaterasu verknüpft ist und im 4. Jahrhundert gegründet wurde. Er besteht aus einem äußeren Schrein, Geku genannt und einem inneren, der Naiku heißt.

Ise ist der Ahnenschrein des Tenno („Kaiser“) und die offizielle Schreinbezeichnung

Ise Jingū“ (Jingū = Götterpalast) bringt zum Ausdruck, dass es sich um den Schrein einer kaiserlichen Ahnengottheit handelt.

Hier wird die Sonnengöttin Amaterasu, die Urahnin des japanischen Kaisers, verehrt, und hier – im Naiku, dem inneren Schrein des Allerheiligsten - soll sich der Spiegel (Yata no kagami ) befinden, der zu den drei Kaiserinsignien gehört.

Die gesamte Ise-Schreinanlage besteht aus 200 Gebäuden.

 

Nach einem uralten Brauch wird der Ise-Schrein, der in einfacher, schlichter Bauweise aus Holz errichtet wurde,  in einem Zyklus von 20 Jahren, immer wieder abgerissen und originalgetreu, genau nach den Maßen und dem Stil des alten Baus, aber mit neuen Balken, neu errichtet.

Die Torii

 

Um zu den Shinto-Schreinen zu gelangen, müssen große offene Tore durchschritten werden, die Torii genannt werden.Sie bilden die Grenze zwischen dem Profanen und dem Sakralen, also zwischen dem Weltlichen und dem Göttlichen, bzw. zwischen dem „Unheiligen“ und dem „Heiligen“.

Diese „Durchgänge“ (Tore bzw. Torii)  kennzeichnen die Heiligtümer des Shinto-Kults und stellen, wo immer man sie in der Welt sieht, sofort eine gedankliche Verbindung zu Japan und den Schreinen - also auch zur Welt der Götter - her.

Ihr vielfaches Vorhandensein weist zudem symbolisch darauf hin, dass es viele „offene Durchgänge“ zwischen der materiellen und der geistigen Welt gibt, und der Mensch oft viele Tore hintereinander durchreiten muss, um zum Allerheiligsten zu gelangen.

Mit den Torii hat es also eine ganz besondere Bewandtnis, wenngleich auch über der Geschichte dieser Tore „ein Schleier des Vergessens“ liegt. Die ursprüngliche Funktion und Bedeutung ist unbekannt, und selbst die Bezeichnung „Torii“ gibt Rätsel auf, da der Name den japanischen Schriftzeichen zufolge, mit denen er geschrieben wird, in etwa „Vogelsitz“ bedeutet, ein Zusammenhang zu einem Vogel oder Vögeln aber nicht bekannt oder erkennbar ist.

 

Alles deutet darauf hin, dass die drei Throninsignien – unabhängig davon, ob sie materiell überhaupt existieren - in erster Linie symbolischen Charakter haben und auf „göttliche Schöpfungsgeheimnisse“ (bzw. auf Schöpfungszusammenhänge und -wahrheiten)  hinweisen.

 

Die drei heiligen Artefakte

 

Der Juwel (der „Krummjuwel“)

 

könnte für das Leben selbst stehen, das niemals geradlinig verläuft. Bekanntlich wird der Lebensweg oft als Labyrinth dargestellt, weil er immer wieder in Sackgassen führt, die es erfordern, sich zu besinnen, umzukehren und einen anderen Weg einzuschlagen.

Was das Leben bereichert und uns Menschen spirituell wachsen lässt, sind die vielfältigen Erfahrungen, die wir generell und im Besonderen durch scheinbar falsche Entscheidungen und Irrwege machen, und so gesehen ist das ideale Leben tatsächlich ein „Krummjuwel“.

Vielfach ist bei dem „Kaiser-Juwel“ auch von einer Perle oder einer Perlenkette die Rede; auch diese kann leicht mit dem Lebensweg assoziiert werden, auf dem jede neugewonnene Erkenntnis einer Perle gleichkommt, und diese „Erkenntnisperlen“ sich nach und nach zu einer Kette zusammenfügen.

Letztendlich könnte es sich dabei also auch und insbesondere um den Weg „zum Spiegel (der Erkenntnis)“ handeln.

Die Erkenntnisse, die ein Mensch in seinem Leben macht, sind für ihn das Allerwertvollste, denn jede neue Erkenntnis hat „Stufe für Stufe“ (oder Perle für Perle) die Grundlage für daraus resultierende kluge, weise Entscheidungen erweitert.

Fragt man einen alten Menschen, ob er gern wieder jung sein würde (was ich viele Male gemacht habe), bekommt man in aller Regel zur Antwort:

Wenn, dann nur mit dem Wissen, das ich heute habe.

Das größte Juwel eines Menschen sind also seine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse – also das Wissen und die Weisheit, die er im Leben erworben hat.

 

Das Schwert

 

steht möglicherweise für die Tatsache, dass alles stets aus zwei gegensätzlichen Seiten besteht, und wir immer dann, wenn es um eine Entscheidung geht, aufs Neue herausgefordert werden, so klug und weise wie möglich, alles, was wir wissen, ganzheitlich zu betrachten, um dann an der richtigen Stelle eine Trennung vorzunehmen (also eine Entscheidung zu treffen). Hierbei wird die Bedeutung des Krummjuwels deutlich, denn nur wenn Weisheit (die aus vielen Erfahrungen und Erkenntnissen erwachsen ist) uns führt, gelingt der „Goldene Schnitt“, aus der etwas Neues hervorgeht, das als harmonisch und gut wahrgenommen wird.

Jede Meinung, jede Entscheidung, wie auch jeder neue Gedanke und jede Tat, entspricht einer „Neugeburt“ und  erfordert eine Durchtrennung der Gegensätze in einem bestimmten Verhältnis. Dieses entscheidet darüber, in welcher Weise wir die Welt verändern.

Ausnahmslos allem, was neu entsteht, geht also eine „Befruchtung“ (Vermischung bzw. Vereinigung der Gegensätze) voraus, dann folgt die Abwägung des Trennungsverhältnisses, der „Schnitt“, und durch ein imaginäres Tor  wird das  Neue geboren.  

„Fruchtbarkeit“, die bei nahezu allen einstigen Hochkulturen und indigenen Völkern  von ganz besonderer Bedeutung war und vielfach gefeiert (und hier und da mit sexuellen Ausschweifungen gleichgesetzt) wurde, ist so gesehen ein Synonym für „kluges Denken und Entscheiden“ und dadurch sinnvolles neues Erschaffen.

 

Der Spiegel…

 

Er steht vermutlich genau für das, was Hermes Trismegistos sagte:

Wie oben, so unten.

Er steht für das Zentrum, die Mitte, in der sich alles Gegensätzliche spiegelt.

Die eine Seite ist stets das Spiegelbild der anderen.

Wie im Mikrokosmos, so im Makrokosmos, wie oben, so unten, wie innen, so außen - und jeweils umgekehrt.

Der Spiegel, als Teil der drei Kaiserinsignien, befindet sich, wie zuvor schon gesagt, im Allerheiligsten des inneren Ise-Schreins. Um zu ihm zu gelangen und in aller Klarheit zu erkennen, dass man insbesondere sich selbst im Spiegel entdecken wird, müssen zuvor viele Wege beschritten und viele Tore (bzw. Torii) durchlaufen werden.

Der Spiegel ist „der Kelch“, in dem sich „ALLES“ gleichzeitig befindet,

und er offenbart die Wahrheit:

So, wie wir uns im Spiegel widerspiegeln, spiegelt sich alles in uns.

 

 

Unter anderem ist ein deutlicher Hinweis auf die Bedeutung der Spiegelungen aus der Götterwelt des alten Ägypten überliefert – die ebenfalls bis in heutige Zeit reicht, doch darauf gehe ich später in. Zuvor möchte ich noch auf eine andere  sehr bekannte Fruchtbarkeitsgöttin im japanischen Shinto hinweisen, die ebenfalls sehr verehrt wird. Auch hier geht es um einen Spiegel.

 

Die japanische Fruchtbarkeitsgöttin Inari

 

Inari  ist auch die Göttin des Reises und der Füchse, und in den meisten Orten Japans ist ihr ein Schrein gewidmet (insgesamt mehr als 30.000).

Füchse werden in Japan vielerorts als Erscheinungsform dieser Göttin angesehen und gelten deshalb als heilig.

Inari wurde oft mit den buddhistischen Dakinis gleichgesetzt, bei denen es sich um weibliche Geistwesen handelt, die der Mythologie zufolge die Seelen der Verstorbenen in den Himmel bringen. Die Legende besagt, das Inari beliebig ihre Gestalt ändern kann. Einem Mann, dem sie eine Lehre erteilen wollte, sei sie beispielsweise als riesige Spinne erschienen.

Der Hauptschrein dieser Göttin, die sowohl in männlicher wie in weiblicher Gestalt dargestellt wird (also die Gegensätze in sich vereint),  ist der Fushimi Inari-Taisha in Fushimi bei Kyoto, und die Wege, die dahin führen, sind dicht an dicht mit roten Torii und Fuchsstatuen gesäumt.

 

Auf dem Gelände des Fushimi Inari-Taisha gibt es ganze Alleen mit tausenden von scharlachroten Torii, die von Einzelpersonen, Familien und Unternehmen gespendet wurden.

Um zum Shinto-Schrein und zum Allerheiligsten darin zu gelangen, müssen diese Tore, einen Hügel hinauf, durchritten werden.

(Foto: wikipedia)

Im Schrein der Inari gibt es die  ungewöhnliche Besonderheit, da das Allerheiligste öffentlich einsehbar ist:

Es ist ein Spiegel.

 

Die Verehrung eines Spiegels mag den meisten Menschen merkwürdig erscheinen, besonders da wir, wenn wir hineinsehen, uns selbst sehen. Allerdings nur unser materielles Selbst, denn wer und was wir wirklich sind, entdecken wir darin nicht.

Der Gedanke liegt nah, dass es sich bei dem „Shinto-Spiegel“ um einen tiefgründigeren Spiegel handeln muss, zumal der Weg zu ihm sehr weit ist. Um überhaupt zu ihm zu gelangen, müssen viele Tore (Torii) „zum Göttlichen“ erreicht und durchritten werden.

Der kaiserliche Spiegel, der zu den drei Throninsignien gehört, wurde noch nie offenbart, ebenso wenig die Spiegel in den Shinto-Schreinen, und es stellt sich die Frage, warum es bei dem Spiegel der Fruchtbarkeitsgöttin Inari anders ist. Was kann das bedeuten – und was ist in dem Spiegel zu sehen?

 

Der japanische „Vogelsitz“ und die ägyptische Mythologie

 

In der ägyptischen Mythologie wurde ein Vogel verehrt, der als Purpurreiher und Zugvogel in Erscheinung trat. Im Mittleren Reich (11.-12. Dynastie, 2137-1781 v. Chr.) wurde er bei Sonnenuntergang als Falke angesehen, der am nächsten Morgen als Reiher neu geboren wurde: Der königliche Benu.

Dabei handelt es sich um jenen „Auferstehungsvogel“, der weltweit als „Phönix“ bekannt ist. Dem ägyptischen Mythos zufolge war der Benu der erste Vogel, der sich auf dem Land niederließ, das einst aus den Urfluten (am Beginn der Schöpfung) aufstieg.

In bestimmten Zeitabständen (alle 500 oder 1461 Jahre, heißt es) kommt er aus Arabien oder Indien zurück, um sich im Tempel des Sonnengottes Re (oder Ra) ein Nest aus „Myrrhe“ zu bauen, in dem er dann in der Sonnenglut des nächsten Morgens verglüht. Jedoch nur, um aus seiner Asche verjüngt wieder aufzuerstehen und erneut in den Himmel davonzufliegen.

Der Benu bzw. der Phönix symbolisiert also weltweit – und dies schon seit langer, langer Zeit, die Wiederauferstehung und „Neugeburt“ bzw. den immerwährenden Zyklus des Lebens.

 

Hier  offenbart sich eine interessante Parallele, denn wie zuvor erwähnt, wird der Ise-Schrein im Rhythmus von  20 Jahren abgerissen und an gleicher Stelle neu erbaut. Das Neue entsteht also stets genau dort, wo zuvor das Alte vernichtet wurde, wie beim Phönix.

Anders formuliert:

Tod und Wieder-Auferstehung finden stets am selben Ort statt, worauf auch der Benu bzw. Phönix hinweist.

Das Neue (die Wiedergeburt) geht stets aus dem Alten hervor.

 

Dieser Zyklus erinnert zudem an den Maya-Kalender, denn sowohl bei der Tageszählung, wie auch beim Tzolkin- und Haab-Kalender (es handelt sich um drei Kalender, deren Zählungen ineinandergreifen) benutzten die Maya ein (modifiziertes) Zwanzigersystem. Sie unterteilten die Zeit mithilfe eines Systems, das auf der Zahl 20 basiert.

 

In einer der weltberühmten Ruinenstätten der Maya-Kultur, auf der mexikanischen Halbinsel Yucatàn, steht eine der berühmtesten Tempelpyramiden dieser Kultur, die Kukulcán-Pyramide (30 Meter hoch). Nachdem in den 1930er Jahren entdeckt wurde, dass sich in der Pyramide noch eine zweite befindet (die überbaut wurde), entdeckte man 1916 – und diesmal durch die moderne Technik unserer Zeit – auch darunter noch eine weitere Pyramide, die 13 Meter hoch ist.

Auch hier haben wir das gleiche Schöpfungsprinzip, wie zuvor angesprochen.

Das Alte vergeht stets „im“ gleichen Ort, „in“ dem das Neue entsteht – und es weist hier auf die „Heilige 13“ der Maya hin, die mit den Schöpfungszyklen eng verknüpft ist.

Es gibt eine eindeutige Verbindung, die bis in unsere Zeit reicht:

Die Erfindung des Kreuzworträtsels – genau 99 Jahre vor Ende des Maya-Kalenders (am 21.12.2012) ist mit der Schöpfungszahl 13 verknüpft. Ich komme darauf zurück.

 

Die Namensgebung Torii

 

Stellt man aufgrund einer ganzheitlichen Betrachtung der Zusammenhänge eine (vielleicht vergessene) Verbindung zur Bedeutung der Shinto-Schreine her, eröffnet sich plötzlich doch eine sehr einleuchtende Erklärung für die Namensgebung „Torii“, der ja „Vogelsitz“ bedeutet.

Diverse Götter der weltweiten Mythen traten als Vögel, auch Drachen, fliegende Schlangen etc. in Erscheinung. Im alten Ägypten z.B.  als Falken, Reiher oder als Ibis  (eine der Erscheinungsformen des Gottes Thot).  Oder denken wir an die Taube, die bekanntlich - weltweit – die symbolische Erscheinungsform des „Heiligen Geistes“ ist.

 

Ein „Vogelsitz“, der den Übergang vom Profanen ins Göttliche darstellt, eignet sich hervorragend als „Metapher“, um damit den Durchgang bzw. Übergang von einer zur anderen Seite zu symbolisieren, auf dem zudem eine Umwandlung göttlicher Erscheinungsformen stattfindet.

 

Japanische Gärten / Zen –Gärten

 

Eine Frage ist noch offen: Was kann man im Spiegel, der sich inmitten des Inari-Tempels befindet, sehen, wenn man hineinblickt und es schafft, über sich hinaus oder durch sich selbst hindurch zu blicken? Was versinnbildlicht er und wo findet man die Antwort darauf?

Es klingt seltsam, aber folgerichtig:

Die Antwort findet man weltweit.

Nämlich in den vielgeliebten japanischen Gärten, in denen die Philosophie und Geschichte Japans verdeutlicht wird. Ganz besonders in Zen-Gärten, deren Ursprünge in China zu finden sind. Sie gehen auf den Taoismus und das Prinzip des Yin und Yang zurück.

In diesen Gärten geht es u.a. um Harmonie, Frieden, Liebe und Ausgewogenheit; es wird auf kleinste Details Wert gelegt, und trotz ihrer Schlichtheit können die Gärten (ursprünglich) von keinem Winkel aus ganzheitlich überblickt werden, was viele Interpretationen zulässt. Alles, was in ihnen verwendet wird, wie z.B. Moose, Steine, Bäume etc. hat Symbolcharakter und ist Göttern – die auch vom Himmel herabsteigen – gewidmet.

 

Vielfach werden in japanischen Gärten Pagoden und Steinhäuser aufgestellt oder Laternen aufgehängt, die auch „Geisterhäuser“ genannt werden, da sie als Wohnsitze für Kami-Seelen (also Götter und oder Geister) dienen.

Steine, die in den Gärten ausgelegt werden, symbolisieren Tiere, die, wie alles andere auch, liebevoll in die Natur eingebunden sind, Bäume stehen für das Leben.

Um Wasser, Seen oder Ozeane darzustellen, wird Sand oder Kies (Granit) verwendet, und mit geharkten Linien – um die im Garten vorhandenen einzelnen Gegenstände herum, oder wellenförmig von ihnen ausgehend, „verteilt“. 

Die Wellen, die kreisförmig  von den  diversen "Teilen" ausgehen und/oder sie umschließen, treffen sich jeweils mittig und gehen dort ineinander über.

 

 

 

Links:

Foto eines Zen-Gartens

 

(Quelle: pixabay)

Dieser "Wellenbereich" gilt als das Allerheiligste eines Zen-Gartens, der nicht von Unbefugten betreten werden darf. Es versteht sich von selbst, dass die Wellenlienien leicht gestört und zerstört werden können.

 

In vielen japanischen Gärten gibt es auch echtes Wasser. Oft Teiche, in denen Koi-Karpfen gehalten werden und deren Oberfläche ruhig und unbeweglich – wie ein Spiegel – im Garten zu liegen scheint, aber auch fließendes Wasser und kleine Wasserfälle. Eine alte Legende besagt, dass sich ein Fisch, der einen Wasserfall hinaufgelangt, sich in einen Drachen verwandelt, und deshalb gilt ein solcher Drachentor-Wasserfall als Sinnbild für Erleuchtung.

 

In diesen, nach spirituellen Aspekten angelegten Gärten (Zen-Gärten) kommt es also zu einer Vereinigung vieler „göttlicher Anteile“, die mit Spiegelungen und „Erleuchtung“ in Zusammenhang stehen. Bedeutend ist zudem, dass auch hier – von einem Fisch, der bekanntlich das älteste Christussymbol symbolisiert - ein besonderes Hindernis überwunden werden muss, um verwandelt zu werden und zur Erleuchtung zu gelangen.  

 

Die ursprünglichen japanischen Gärten, mit ihren diversen „spirituellen, stets natürlichen Anteilen“ und eingefügten Wellen, waren (und sind) von keinem Standpunkt aus ganzheitlich zu überblicken. Es sei denn, man betrachtet sie

„in einem Spiegel“ – von oben.

 

Bei den Gärten ist es aber so, dass sein Inneres - das Allerheiligste - selbst als Spiegel bezeichnet wird, und das bedeutet, dass er das widerspiegelt, was sich über ihm befindet.

Der Garten selbst ist der Spiegel und offenbart, was sich „im Himmel“ über ihm befindet.

 

Originalbild kleinster Teilchen am Himmel und ihre Energiewellen,  © Annette Andersen

 

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