3. Himmlische Webereien

 

Das verschleierte Geheimnis

 

Schon in den ältesten Schöpfungsmythen der Welt ist von unsterblichen Göttinnen die Rede, die als Weberinnen des Universums galten und als Lehrmeisterinnen des Spinnens und Webens in Erscheinung traten.

Das große Geheimnis der Zeichen, Farben, Symbole und Muster, die in Teppiche und Stoffe eingewebt wurden, galt als größter Wissensschatz der einstigen Urvölker und wurde nur an einen sorgsam ausgewählten Personenkreis, unter Einhaltung bestimmter Einweihungsriten, von einer Frauen-Generation zur nächsten, weitergetragen. Bei indigenen Völkern ist das nach wie vor so, wenngleich inzwischen diverse der einst geheimen Symbole und Muster auf Töpferwaren, Stoffe und andere handwerklichen Gegenstände übertragen und verkauft werden, um damit das Überleben des jeweiligen Volkes zu sichern.

Die großen Zusammenhänge zu den einstigen himmlischen Lehrmeisterinnen sind heute vergessen, doch sie werden noch immer- in Mythen und Legenden verpackt – erzählt. Jedoch sei es noch immer möglich, die verborgenen Strukturen des Lichts zu sehen und sie, z.B. für Heilzwecke, zu nutzen. Dies sei jedoch nur Heilern und Schamanen möglich, die sich vorher (oft unter Zuhilfenahme von Drogen) in einen erweiterten Bewusstseinszustand versetzen.

Ein Beispiel hierfür sind die Schamanen der Shipibo-Conibo in Peru, die auf spirituelle Weise Zugang zu den "Mustern des Universums" (Shipibo-Muster) haben, und sie insbesondere  für Heilzwecke einsetzen. Auch noch einige Shipibo-Frauen sind in der Lage, in den Symbolen und Mustern ihrer Kleidungsstücke wie in Geschichtsbüchern zu lesen, oder sogar Ornamente (die ihren Ursprung im Licht haben) wie Liedtexte zu singen.

Sieht man sich die nachfolgenden Ornamente an, bei denen es sich um Originalmuster im Licht handelt, kann man es nachvollziehen...

Die Shipibo bringen die universellen Licht- bzw. Urmuster direkt mit Gesundheit in Zusammenhang und sagen: „Gesundheit heißt, schöne Muster zu haben.“

 

Weben

 

Weben bedeutet, wie wir wissen, ganz kurz und laienhaft zusammengefasst, dass aus Fäden ein Tuch, Stoff oder Teppich hergestellt wird, indem – als Träger des Gewebes - Längs- und Querfäden wechselweise gekreuzt werden und von einer Seite zur anderen jeweils ein Schussfaden durchgezogen wird, der an das schon vorhandene Gewebe gedrückt bzw. gekämmt wird.

 

Viele Menschen, auch Wissenschaftler, gehen davon aus, das das Universum von einem energetischen Netzwerk durchzogen ist, das alles mit allem verbindet, und der ägyptische Gott Thot sagt, das das Universum einer Schriftrolle gleicht, die vor uns ausgebreitet sei.

Das Universum enthält demnach „eine Art Schrift“, die entweder wie eine Schrift  gelesen oder symbolisch verstanden (also intuitiv erfasst) werden kann.

 

Als ich die ersten Strukturen im Licht (des Himmels) fand, war ich sehr verblüfft, denn es sah so aus, als sei der ganze Himmel voller Webstühle.

Nachfolgend einige Bilder von Lichtstrukturen, die den Eindruck des Webens vermitteln...

 

Wenn wir auf herkömmliche Weise lernen, indem wir z.B. in einem Buch (oder auch den Inhalt einer Schriftrolle) lesen, bezeichnen wir dessen Inhalt als „Lese-Stoff“, und dies Wort steht somit – leicht erkennbar - mit Gewebe in Zusammenhang.

Es offenbaren sich also Zusammenhänge, die dazu auffordern, genauer hinzusehen.

 

Definition „Weben“ (Quelle: Wortwurzel Weben):

  • Längs- und Querfäden zu einem Gewebe kreuzweise verbinden.
  • Durch Weben herstellen.
  • Durch eine geheime Kraft wirksam am Werk sein.
  • Auf geheimnisvolle Weise allmählich entstehen.

 

Dies weist sehr eindeutig auf „Schöpfung“ (Erschaffen) bzw. auf die Tatsache hin, dass man durch Weben etwas erschafft, das einen geheimnisvollen Charakter hat, der sich nicht durchschauen lässt.

Zudem sind geheimnisvolle (weil nicht durchschaubare) Kräfte am Werk.

 

Die Herkunft des Wortes wird dem alten Hochdeutsch zugesprochen.

Hier hieß weben „weban“, was „sich hin und her bewegen“ oder auch „wimmeln“ bedeutet.

 

Tatsächlich ahmt das wechselseitige Heben und Senken der Kettfäden

Wellenbewegungen nach, zwischen denen jeweile von einer zur anderen Seite ein "Web-Schiffchen" hindurchgeschossen wird.

Dies findet sich in der Mythologie der Sonnenbarke wieder:

 

 

Ein Gewebe entsteht

 

(mit Symbolen, die auch im Licht existieren)

 

Rechts auf dem Stoff liegt ein Web-Schiffchen

 

Quelle: pixabay

 

Das oben gewebte Muster ist in vielerlei Varianten im Licht zu finden (links eine davon) und bis in unsere heutige Zeit vielfach bekannt:

Mehr dazu unter "Das Auge Gottes"

 

Links: Strukturen im Mondlicht

Links eine zweite Variante (im Licht), blau nachgezeichnet,

die auf das Mandala in der Nazca-Wüste

verweist...

 

Links:

Das Mandala in der Nazca-Wüste

(von mir farbig nachgezeichnet)

 

... in dessen Nähe auch ein riesiges "Gewebe"

 (als Geoglyphe, in den Sand gescharrt) gefunden wurde

 

 

 

Altes Ägypten

 

Nach Einführung des Re-Kultes in der 5. Dynastie fuhr der Sonnengott nach dem Glauben der Ägypter tagsüber mit einer Sonnenbarke über den Himmelsbogen und durchquerte nachts das Wasser der Unterwelt.

(Quelle wikipedia)

 

Re in der Sonnenbarke

               Ein Web-Schiffchen,

        wie es zum Weben verwendet wird

              

               © Annette Andersen

Das Schiff im Christentum

 

Hier als Mosaik in einem Fußweg

Der Schiffsraum (obere Steinreihe) besteht aus 7 Mosaiken

(die 7 ist die Zahl der Vollendung)

 

Das Kreuz (in der Mitte) symbolisiert Gott bzw. Jesus Christus.

 

© Annette Andersen

 

Das Kirchenschiff

 

Die Längsräume in Kirchen werden als „Kirchenschiffe“ bezeichnet.

Hat eine Kirche mehrere Schiffe, so sind diese durch Scheidewände mit Säulenbögen voneinander abgeteilt.

Als Querschiff wird der zum Langhaus quer verlaufende Raum bezeichnet: Beide zusammen ergeben im Grundriss ein Kreuz.

Normalerweise ist das Langhaus (das Kirchenschiff) in west-östlicher Richtung gebaut und der Altarraum (auch Chor genannt) nach Osten ausgerichtet – aus Sinnbild der Neuen Sonne bzw. der Auferstehung Christi (und Rückkehr des Lichts).

Dort geht bekanntlich jeden Morgen die Sonne auf und wandert nach Westen

(von links nach rechts).

Siehe auch. Kreuzkirche

 

 

Interessanterweise waren es die Gebrüder Grimm, die wir hauptsächlich im Zusammenhang mit Märchen kennen, die 1838 damit begannen, am größten und umfassendsten Wörterbuch der deutschen Sprache (DWB) zu arbeiten. Ziel war, das in diesem Buch jedes deutsche Wort – in aller Gründlichkeit, auch bzgl. Herkunft und Gebrauch – erläutert und beschrieben wird. Erst 123 Jahre später, im Jahr 1961, wurde es fertiggestellt

Auf dies Buch muss man zurückgreifen, um in Erfahrung zu bringen, was es mit der „Metapher Schiff“ auf sich hat, doch es bleibt offen, ob es sich dabei um eine Übernahme aus dem Altgriechischen handelt, was eine Verbindung zu „Tempel“ und „Tempelraum“ bedeuten würde.

Belegt ist lediglich die lateinische Bezeichnung navis („Schiff“), seit dem Mittelalter, als Bezeichnung für den zentralen Versammlungsraum der Gläubigen in Kirchen.

Nachweislich tritt die Schiffsmetapher für den Staat und die Bürgergemeinschaft auch in der Antike öfter auf.

(Quelle: wikipedia)

 

Nordische Bronzezeit (1800 v Chr. - 530 v. Chr.)

 

Das Sonnenschiff ist z. B. in Felsritzungen und auf verzierten Rasiermessern zu finden. Es stellt, je nach seiner Ausrichtung, die Fahrt der Sonne am Tag (von links nach rechts) am Himmel oder in der Nacht (von rechts nach links) durch die Unterwelt dar. I

 

Der Autor Harry Eilenstein stellt in seinem Buch „Hathor und Re I (Mythen und Magie im Alten Ägypten) einen Bezug zum Ursprung der ägyptischen Schöpfung – dem Urhügel - her. Zu dem Zentrum also, an dem, alten ägyptischen Mythen zufolge, die materielle Schöpfung begann. Es handelt sich zudem um genau jenen Hügel, auf dem der Benu-Vogel, den wir als Phönix (den Vogel der Wiederauferstehung) kennen,  sich als erstes Lebewesen niederließ.

In der altägyptischen Sonnenstadt On (Heliopolis) wurde ein Stein verehrt, der als Benben bekannt ist. Diese Bezeichnung, schreibt Harry Eilenstein, leitet sich vom Wort „weben“ ab, was, wie er schreibt,  „aufsteigen, aufleuchten, erscheinen“ bedeutet.

 

Weben bedeutet also auch, auf geheimnisvolle Weise (im nicht Sichtbaren) etwas zu erschaffen und dies in unserer sichtbaren, realen und materiellen Welt erscheinen zu lassen.

 

Folglich geht es um Schöpfung, und auch die Bibel lehrt uns, dass wir

– wie Gott selbst - „Schöpfer“ sind.

Zweifellos erschaffen wir ununterbrochen – ohne uns dessen (richtig) bewusst zu sein, und ohne uns über die Folgen im Klaren zu sein.

 

Wir alle sind – wie Gott selbst, worauf eindeutig hingewiesen wird,

Weber und Weberinnen, die mehr oder weniger unbewusst und unbedacht

im Universum „herumweben“.

 

Heutige Zeit

 

Das Himmelsschiff

 

Die nachfolgend eingefügten Bilder zeigen Strukturen im Licht, die einem Schiff täuschend ähnlich sehen. Grundlage ist ein Foto (bzw. die Wolken auf dem Foto), das ich Richtung Süden fotografiert habe, und man könnte meinen, dass es sich um eine „göttliche Überfahrt“ von Osten nach Westen  handelt. Es sind zwei Kreuze auf dem „Himmelsschiff“ zu sehen, was an die von den alten Ägyptern beschriebene tägliche Himmelsüberfahrt des Sonnengottes Re, zusammen mit der Göttin Maat (u.a. der Wahrheit und Weltordnung), erinnert.

Besonders interessant ist dabei das Plakat auf der Litfaßsäule, das ich eigentlich fotografiert habe… Das Foto entstand am 24.10.2015.

 

 

 

Die Göttinnen des Webens und „Maya“

 

Vielfach und bei allen alten Kulturen sind Göttinnen der Webkunst auch als Schöpfungsgottheiten und Göttinnen der Geburtshilfe bekannt. Das offenbart einen direkten Zusammenhang zwischen „Weben“ und „Gebären“, was zwangsläufig mit der Geburt eines Kindes in Verbindung gebracht wird.

 

Symbolisch betrachtet (und die Webkunst ist ja im wahrsten Sinn des Wortes mit Symbolen verknüpft) kann es aber auch auf etwas ganz anderes hinweisen:

Auf Schöpfung jeglicher Art.

Auf das Erschaffen und Entstehen von etwas Neuem, was „alles“ bedeuten kann: Gesundheit zum Beispiel, ein neuer Denkansatz, das Herstellen eines Teppichs, das Schreiben eines Buches, das Malen eines Bildes, das Anlegen eines Gartens, der Bau eines Hauses, die Wiedergeburt der Natur, also Frühling – oder was auch immer.

 

Die Entstehung von etwas Neuem (also Schöpfung) ist immer

ein Geburtsvorgang.

 

Auch die Wiedergeburt gehört dazu, denn nichts kehrt noch einmal so zurück, wie es schon einmal da war: Auch das, was wiedergeboren wird, ist also eine neue Schöpfung.

Die Natur zeigt es uns ganz deutlich:

Alles kommt in einem erweiterten Entwicklungszustand wieder:

Es wird größer, dichter, höher, weiter, gereifter… 

 

Hiermit steht der Begriff  „Maya“ in Zusammenhang.

 

"Maya" wird oft als Prinzip dargestellt, als die greifbare und erfassbare Realität des Lebens selbst.

 

Auch das berühmte Volk der Maya in Mittelamerika hatte die Auffassung,

dass alles in der Schöpfung "Maya" sei.

 

Aus der griechischen Mythologie

 

ist besonders Athene (Tochter des Zeus) als geheimnisvolle Göttin der Kunst, des Handwerks und der Handarbeit bekannt.

Sie gilt u.a. als Schirmherrin der Künste und der Wissenschaften, und als Hüterin des Wissens beschützte sie auch Spinner, Weber und andere Handwerker.

Athene, u.a. Schwester des Hermes, verwandelte Arachne, eine begabte Weberin, die behauptete, die Göttin in der Webkunst zu übertreffen, in eine Spinne.

 

Arachne

Illustration von Gustave Doré für Dantes Inferno (1861)

Auch Maia (eine andere Schreibweise von "Maya"), die Mutter des Hermes, war eine Weberin.

 

Römische Mythologie

 

Im Mai fand zu Ehren der Maia ein Fest statt. Hermes und seine Mutter wurden in der römischen Mythologie als Maia und Mercurius verehrt.

 

Aus dem alten Ägypten

 

ist u.a. von der berühmten Göttin Isis überliefert, dass sie Spinnrad und Webstuhl erschuf und die Frauen Ägyptens u.a. darin unterwies, meisterhaft zu spinnen und zu weben.

Auch der Göttin Neith, u.a. verehrt als Kriegsgöttin, Schöpfergöttin, Muttergöttin, Göttin von Unterägypten und Totengöttin, wird die Erfindung der Webkunst zugeschrieben.

Tajet (auch Teit, Teitet oder Tyed) ist ebenfalls als altägyptische Göttin der Webkunst bekannt. Sie wird u.a. auch mit Neith gleichgesetzt.

Tajet war vorrangig für die Herstellung der Leinenbinden zuständig, womit Verstorbene bei der Einbalsamierung kunstvoll umwickelt wurden.

Ihre Binden wurden auch für medizinische Zwecke verwendet, z.B. um offene Wunden zu reinigen und Blutungen zu stillen. Da diese Gewebe rein und sauber sein mussten, wurde Tajet als Göttin der Reinheit und Vollkommenheit verehrt.

 

In den Mythen der Inkas

 

gilt „Mama Ocllo“ als Schöpfungs- und Fruchtbarkeitsgöttin, sowie als Lehrmeisterin des Webens.

 

Bei den Maya

 

wurde Ix Chel u.a. als Göttin der Farbmusterwebkunst und Göttin der Malerei, der Bilderschrift und Bringerin von Weisheit verehrt.

Die Herkunft und Bedeutung des Namens ist nicht eindeutig bekannt, man geht jedoch davon aus, dass „Chel“ Regenbogen bedeutet.

In der Mythologie der Maya war IxChel eine Mond- und Fruchtbarkeitsgöttin, sowie die Göttin der Geburtshilfe. Zudem galt sie als Erdgöttin, Schutzherrin des Wassers, der Schwangeren und des Regenbogens – und sie wurde als Erfinderin der Webkunst verehrt.

Oftmals wird sie als Mondgöttin als Kaninchen dargestellt, welches die Maya auf dem Mond zu erkennen glaubten, häufig auch als Greisin, Medizinerin (Heilerin), Weberin und Weisheitsbringerin.

In Indien

 

gilt von jeher die Göttin Maya (die Mutter Buddhas) sowohl als Weltenweberin und Schöpferin des Universums, als auch als Göttin der Magie und der Illusion.

 

Ihre Symbole sind:

Das Spinnennetz, die sieben Farben des Regenbogens und der Schleier.

Im Hinduismus bedeutet Maya "Ursprung der Welt" oder "Welt der Illusion".

 

Der Schleier der indischen Göttin Maya, so die Mythologie, dien(t)e u.a. dazu, das Geheimnis des Universum, in dem alles "Maya" ist, zu verschleiern und unsichtbar zu machen, damit die Menschen es nicht so schnell entdecken können. Er sollte – schon seit dem Anbeginn der Zeit - den Blick der Menschen auf das verborgene Gewebe, in das unaufhörlich, in jedem Moment, alles Wissen der Welt eingewebt wird, trüben. So lange, bis der richtige Zeitpunkt bzw. der „rechte Augenblick“ gekommen und die Menschheit reif genug sei, um die verborgene Wahrheit zu entschleiern, in den Zeichen des Lichts zu lesen und den Sinn des großen Lebens-Geheimnisses ganzheitlich erfassen zu können.

 

Auch bei den Maya spielten die Farben des Regenbogens (also die Farben des Lichts) in vielerlei Hinsicht eine besondere Rolle, sowohl in der Mustervielfalt ihrer Stoffe und Gewebe, als auch in ihren Malereien. Auch den Göttern wurden spezielle Farben zugeordnet, wobei das Blau (Indigo-Blau, auch als Maya-Blau bezeichnet)  als heilige, göttliche Farbe schlechthin galt.

Die blaue Farbe überdauerte die Jahrhunderte, und so konnte nachvollzogen werden, warum sie u.a.  auch bei Kult- und Ritualgegenständen, bei denen es um Opfergaben für den Regengott Chaak ging, vielfach Verwendung fand. Selbst die Geopferten, denen bei lebendigem Leib das Herz herausgerissen wurde, wurden zuvor blau bemalt.

 

Im Christentum

 

wird besonders Maria, die Mutter Gottes, in besonderer Weise als kunstfertige Weberin genannt.

Sie wuchs im Tempel von Jerusalem auf und wurde dazu auserwählt, einen neuen, kunstvollen Vorhang zu weben, der den Tempelbereich vom Allerheiligsten trennte, da der alte schon ziemlich verschlissen war.

Dieser besondere Vorhang wurde mit Fäden aus Gold, Amiant (griech.= unbefleckt, rein), Baumwolle, Seide, sowie hyazinthfarbigem Scharlach und echtem Purpur hergestellt, und per Losentscheid fiel der Jungfrau Maria der Scharlach (der zuerst gesponnen werden musste) und der echte Purpur zu.

 

Hierdurch wird ein Hinweis darauf gegeben, dass der Vorhang vor dem Allerheiligsten rot ist, oder umgekehrt den, dass sich hinter dem roten Vorhang das Allerheiligste befindet, das in vielen Kulturen als „Göttliches Blau“ bekannt ist und verehrt wurde. Bei den Maya wurde das Indigo-Blau als allerheiligste Farbe angesehen.

Die Bedeutung offenbart sich in der Farbfolge des Lichts.

 

Der Hohepriester des Tempels, dem Maria den fertigen Vorhang übergab, lobte die schnelle Fertigstellung und  ihre Kunstfertigkeit und sagte ihr, dass die wunderbare Arbeit nicht allein auf sie allein zurückzuführen sei, sondern Gott selbst mit ihrer Hand „gewirkt“ hätte.

 

Gott wird hier also als „Weber“ genannt, der (mit den Händen Marias) den roten Vorhang, der das Allerheiligste bedeckt, kunstvoll webte.

 

An einer anderen Stelle, n Vers 28, Kapitel 17 der Apostelgeschichte steht:

 

„Gott ist nicht ferne von einem jeden von uns,

denn in ihm leben, weben und sind wir“.

 

Während der Arbeit an dem Vorhang – Maria war (den Überlieferungen zufolge) zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt – erhielt sie, durch den Heiligen Geist, der vielfach als Taube dargestellt wird, die Verkündigung, dass sie den Sohn Gottes, Jesus, empfangen und gebären würde.

 

Der Lebensfaden

 

Göttinnen des Webens wurden rund um den Globus, in alten Kulturen verehrt.

Sie sind in aller Regel eng mit der Schöpfung verknüpft oder werden sogar selbst als Schöpferinnen (Weberinnen) alles Seins, das mit dem „Lebens- oder Schicksalsfaden“ gewebt wird, benannt.

 

 

 

Die drei Nornen der nordischen Mythologie, verwandt mit den römischen Parzen und den griechischen Moiren. Sie halten die Schicksalsfäden in der Hand und lenken die Geschicke der Menschen und Götter

(Hans Thoma)