4. Das Geheimnis orientalischer Teppiche

 

Magie der Jahrtausende

 

Die Ursprünge des Webens und Teppichknüpfens liegen weit in der Vergangenheit und sind eng mit der Erfindung des Webstuhls verknüpft. Im alten Ägypten war der Webstuhl schon etwa drei Jahrtausende vor der Zeitenwende bekannt und weit verbreitet, und alten Legenden und Mythen zufolge waren es - hier, wie in vielen anderen Kulturen - Göttinnen, die den Menschen das Weben lehrten.

 

Weben im Alten Ägypten

(wikipedia)

Orientalische Teppiche wurden und werden in aller Regel in intensiver, aber sehr ausgewogener Farbenpracht geknüpft, und zeichnen sich durch eine Vielfalt ineinander übergehender und manchmal sogar scheinbar übereinander liegender Symbole, Linien, Rauten etc. aus, die sich – oft um ein Mandala im Zentrum - zu schönen ganzheitlichen Mustern zusammenfügen.

Trotz der Vielfalt der Muster strahlen sie eine wohltuende Ordnung und Harmonie aus, die sofort das Gefühl anspricht. Auch wenn die jüngere Generation den Bezug dazu in der heutigen Zeit verloren hat, den Teppichen ist ihr Zauber und ihre Besonderheit dennoch erhalten geblieben. Ihre wohlgeordnete Mustervielfalt  wirkt  beruhigend, harmonisierend, innerlich ausgleichend und vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit, Gelassenheit und Heimat.

Diesen Teppichen und seinen besonderen Mustern, die oft so geknüpft sind, dass der Eindruck von mehreren Ebenen und dadurch unendlicher Tiefe entsteht, wohnt tatsächlich ein unerklärlicher Zauber inne, der den wohlwollenden Betrachter auf wundersame Weise in seinen Bann ziehen kann.

Die Anordnung der Muster und Farben mancher Teppiche vermitteln den Eindruck, als könne man durch die Oberfläche hindurch in eine geheimnisvolle Tiefe eintreten, wie in ein weit geöffnetes Tor, das den Eintritt in eine andere Welt eröffnet. Die Pflanzen und Blumen, die in manchen Teppichen zu finden sind, scheinen aus unergründlichen Welten zu erwachsen, und oft wirkt es so, als schwebten die vielfältigen geometrischen Formen und Muster schwerelos aus den Teppichen heraus, direkt in unsere Welt.

Die meisten Teppiche ziert ein großes Hauptmotiv im Zentrum, das in aller Regel als Mandala – das bei den Teppichen Medaillon genannt wird - angelegt ist.

Alle anderen Symbole sind darum herum angeordnet, so als gingen sie davon aus oder strebten ihm zu.

Bleibt das Innenfeld leer, spricht man von Spiegelteppichen.

 

Die lichtvolle und besondere Ausstrahlung orientalischer Teppiche kann geradezu hypnotisch wirken und zu einer erstaunlich innigen Beziehung zwischen dem Besitzer und  seinen Teppichen führen, die sogar „Schmetterlinge im Bauch“ hervorrufen kann  und mit einer echten Liebesbeziehung vergleichbar ist. Noch immer (und zunehmend wieder) gibt es viele Teppichliebhaber, die diese besondere Verbindung spüren und orientalische Teppiche sammeln, und gar nicht genug (von den angenehmen Empfindungen) bekommen können. Jahrelang habe ich meinen Mann, der als Händler und Gutachter hochwertiger Antiquitäten täglich unterwegs war, begleitet und lernte auf diese Weise auch viele Liebhaber orientalischer Teppiche kennen.

Manche  berichteten davon, dass die unterschiedlichen Muster unterschiedliche wohltuende Gefühle erwecken, und das u.a. deshalb viele Sammler nahezu jedes freie Fleckchen ihrer Wohnung - oft sogar in mehreren Schichten übereinander - mit orientalischen Teppichen auslegen. Vorwiegend mit antiken Teppichen, die nachweisbar  in Handarbeit gewebt und ausschließlich mit Naturmaterialien hergestellt wurden.

Immer mal wieder habe ich mit Erstaunen festgestellt, dass sich sogar die Stimmlage von Teppichliebhabern veränderte, wenn sie voller Bewunderung, Demut, Respekt und Besitzerstolz  von ihren geliebten Teppichen, die oft als Schätze und Heiligtümer betrachtet wurden, sprachen.

 

Prächtige Gewebe und Gewänder, insbesondere auch Teppiche und edle Stoffe (z. B. Brokat), sind von jeher „königliche Attribute“  und symbolisieren Ehrerbietung sowie weltliche und religiös-geistige Macht. Für den Normalbürger waren sie unerschwinglich, doch heute hat sich das gewandelt, und handgearbeitete Teppiche sind in vielen Haushalten zu finden.

Der aktuell teuerste Teppich der Welt, ein Perserteppich aus dem 17. Jahrhundert, erzielte bei einer Auktion im Juni 2013 unvorstellbare 33,7 Millionen Dollar, umgerechnet 25,7 Millionen Euro. Er wurde sicher nicht von einem König ersteigert und ist auch bei weitem nicht der einzige Teppich, der für "Millionen" verkauft bzw. versteigert wurde. Liebhaber kaufen solche Teppiche aus unterschiedlichen Gründen, wie andere Menschen Bilder, Schmuck etc., und die Preise für sich genommen (insbesondere, wenn sie bei einer Auktion erzielt werden) sagen nur wenig bis gar nichts über die wahre Güte oder Qualität eines Teppichs aus. 

 

Himmlische Verzauberung

 

Die einzigartig hypnotische – ja, sogar als göttlich empfundene -  Verzauberung, die von vielen Teppichen ausgeht, ist weder ein Phänomen, das nur auf wenige Menschen beschränkt ist, noch bezieht es sich ausschließlich auf orientalische Teppiche. Weltweit gibt es Teppiche bzw. Gewebe, die den nachfolgend gemachten Beschreibungen in etwa entsprechen. „Orientalischer Teppiche“ zeichnen sich u.a. durch die besondere Vielfalt ihrer Ornamentik, sowie die Reichhaltigkeit ihrer Symbole und deren besondere Anordnung aus.

 

 

Stellvertretend für viele andere Beschreibungsversuche habe ich nachfolgend einige  Aussagen dazu aus Teppichbüchern eingefügt, die sich so oder so ähnlich immer wiederholen:

 

1.

„Kostbaren Teppichen begegnen wir an den heiligen Stätten fast aller Religionen. Im alten Ägypten waren die Wände der Grabkammern mit Teppichen behängt, und auch die Böden waren oft mit Teppichen belegt.

Mohammed ließ die Moscheen und Minarette mit Teppichen buchstäblich zudecken.

Auch in den buddhistischen Tempeln finden wir Teppiche, und

in den Kirchen des Christentums spielen sie eine – freilich früher weit bedeutsamere – Rolle.

Teppiche sind nicht nur wertvolle Kunstwerke, die dem Menschen stets als der Gottheiten würdig erschienen, sondern sie schaffen auch eine eigenartig dichte Atmosphäre. Vielleicht hängt das teilweise mit der Vorstellung zusammen, dass mit den Tausenden und aber Tausenden von Knoten zahllose Gedanken, Wünsche und Bitten der Menschen, die für ihre Herstellung Stunden, Tage, Woche und Monate ihres Lebens hingegeben haben, in den Teppich eingewoben sind.

Für die alten Juden manifestierte sich in den Teppichen der göttliche Geist, und in einem alten Perserteppich, der sich heute im Museo Poldi Pezzoli in Mailand befindet, ist die Inschrift zu lesen:

Mit dem Faden der Seele wurde dieses Werk geknüpft.“

(Quelle: Orienteppiche, Michele Campana, Chuler Verlagsgesellschaft, München, 1966)

2.

„Der orientalische Teppich ist ein Begriff von beispielloser Einmaligkeit. (…)

Seine Technik erscheint uralt.

(…)

Die Leichtigkeit, das gleichsam Schwebende und von allem Erdenhaften Losgelöste ist die Weisheit Ostasiens (…)

Es mag für den an die schweren Formen der abendländischen Kunst Gewöhnten vielleicht nicht leicht sein, gleich Zugang zu finden zu dieser ihm ungewohnten Kunst, denn sie stellt Ansprüche an das Auge und an das bewusste Schauen, und setzt eine andere Einstellung dem Sichtbaren gegenüber voraus. Aber wer sich einmal dem Reiz, man könnte sagen dem Duft ihrer Farben und dem Spiel ihrer Linien hingegeben hat, den lässt diese wunderbare Kunst nicht mehr los. Ihre Werke sind Ausdruck edelsten Lebensgenusses."

(Quelle: Perserteppiche, Otto Baer, Bibliographisches Institut AG, Leipzig, 1935)

 

3.

„Nichts kann ihm seine Beliebtheit nehmen. Er wird nicht unmodern (…)

Immer wieder fügt sich der Orientteppich trefflich ein. Er  passt zum Raum, er passt zur Einrichtung, er passt zur Kleidung, er passt unwandelbar zu uns.

Er macht das Kalte warm, das Farblose farbig, er schenkt Stimmung, er spendet Atmosphäre – er befähigt uns gewissermaßen zu einem Hürdensprung, der uns aus der nüchternen, zwingenden Funktion des Verstandes in den wohltuenden Bereich der Seele und des Gemütes bringt."

(Quelle: Orientteppiche – Kauf ohne Reue, Gishk Bargasla, J.G. Lettermair, Verlag Welsermühl, 1977)

 

4.

„Der Orientteppich überdauerte alle Zeitstile, seitdem das Abendland seine Bekanntschaft gemacht hat.

(…) Der Orientteppich widerstand allen Versuchen, ihn dem jeweiligen Zeitgeschmack anzupassen. Seine Farben und Muster sind so einmalig, dass sie in jeder Zeitperiode einem kultivierten Geschmack entsprechen. Er bleibt dem Alten verbunden, und niemand nimmt es ihm übel. Im Gegenteil, man würde es ihm übelnehmen, würde er modern werden. (…) Niemand kann eine schöpfende Auskunft über dieses Phänomen geben. Sein Zauber bleibt wirksam und seine Beliebtheit steigt. Der Teppich entwickelte sich zum Kunstwerk von feinster Kultur."

(Quelle: Morgenländische Teppiche, O.Ropers, Klinkhardt & Biermann, Braunschweig, 1954)

 

5.

„Teppiche, an denen Sie sich zu Hause erfreuen können. Erfreuen an der ungebrochenen, jahrtausendealten Faszination geheimnisvoll verlockender Welten aus 1001 Nacht. An der beschwingt spielerischen Prachtfülle oder der andächtig strengen Ornamentik.

Der Teppich ist ein Stück exotischer Orient. Ausgebreitet zu unseren Füßen erzählt er von der Ausdauer fleißiger Hände, von der sittlichen Strenge einer fremden Religion, von palmenumrauschter, in Sonnenglut erzitternder Schönheit des Lebens. In ihm scheint die Zeit stillzustehen. Er löst uns aus der drückenden Hetze unseres Alltags und wird zum Zentrum besinnlichen Nachdenkens. Seine Geschichte ist unerschöpflich.“

(Quelle: Teppiche, Hans J. Fahrenkamp, Wilhelm Heyne Verlag, 1974)

 

6.

„Woher mag die einzigartige Wirkung des Orientteppichs kommen, worin mag sie wurzeln?

(…) Aus Imitationen, aus Nachahmungen, können aber nicht jene unwägbaren Wirkungen lebendig werden, wie sie uns der echte Orientteppich beglückend beschert.

(…) Hier gilt das Wort des Generalkonsul Carl Meyer-Pünter in seinem Buche „Meisterwerke altpersischer Teppichknüpferei: „In der Kunst ist das Original unersetzlich, weil es bis ins letzte hinein des Meisters Willen und Können ausdrückt.“

Wir spüren dies, ja wir wissen es – aber die Frage, woher es kommt, worin diese Kraft und Macht wurzelt, die der Orientteppich auf uns ausübt, ist deshalb noch nicht beantwortet. Wir wollen versuchen, eine Antwort zu finden.

Ohne Zweifel setzt sich diese Kraft und Macht aus mehreren Komponenten zusammen, es müssen mehrere Teilwirkungen vorliegen, die einander ergänzen und mithin so stark werden, dass der Orientteppich derart nachhaltige Wirkung auf uns auszuüben vermag.

Aber: Übt er sie auf „uns“, auf die Einzelperson, auf das Einzelgemüt unmittelbar aus? Oder aber übt er sie, um vieles stärker, nicht vorerst auf den Raum selbst aus, worin er liegt? Ist es nicht so, dass der gut gewählte Orientteppich den Raum vollendet „füllt“ und „schließt“? Ja, er tut es."

(Quelle: Das große Orientteppichbuch, Josef Günther Lettenmair, Im Verlag Welsermühl, 1962)

 

7.

Die Lebensform und die religiöse Weltanschauung einer Volksgruppe sowie auch der Charakter ihrer Wohngegend offenbaren sich in den naturalistischen oder abstrakten Ornamenten eines Teppichs. Diese Ausdrucksweise in rhythmisch wiederholten Motiven ist ein unbewusstes musikalisches Erlebnis, gleichsam ein Spiegelbild der Seele. Sie wird von der jeweiligen Farbenempfindung begleitet, die sich durch gegensätzliche Buntheit oder abgestufte mildere Tönung des Kolorits äußert (…)

Die nomadischen Bergstämme und die Dorfbewohner Kleinasiens, des Kaukasusgebiets, des iranischen Hochlandes und Mittelasiens erzeugen seit ältester Zeit vorwiegend hochflorige Teppiche, deren großzügige, oft wuchtige geometrische Formen und Figuren meist uralten Symbolen oder mythischen Erinnerungsbildern entsprechen. (…) Ihre faszinierende Formensprache und das Leuchten ihres gegensätzlichen Kolorits sichern diesen Teppichen die zeitlose Modernität.

(Quelle: Der Zauber orientalischer Teppiche, Stefan A. Milhofer, Silva-Verlag, 1971)

Nachfolgend fasse ich einige der genannten Attribute und Eigenschaften zusammen, die den orientalischen Teppichen zugesprochen werden:  

 

  • Kostbar
  • wertvolles Kunstwerk
  • schafft eine eigenartige, dichte Atmosphäre,
  • der göttliche Geist manifestiert sich darin,
  • mit den Farben der Seele geknüpft,
  • beispiellose Einmaligkeit,
  • mit nichts anderem in der Kunst vergleichbar,
  • Ausdruck edelsten Lebensgenusses,
  • wird nie unmodern,
  • macht das Kalte warm, das Farblose farbig, er schenkt Stimmung, spendet Atmosphäre, wirkt raumfüllend,
  • befähigt uns, den Verstand auszuschalten und uns in den wohltuenden Bereich der Seele zu begeben,
  • überdauert alle Zeitstile
  • ist zeitlos
  • seine Farben und Muster sind einmalig
  • sein Zauber bleibt wirksam
  • Kunstwerk von feinster Kultur
  • erzählt uns von der Sonnenglut erzitternder Schönheit des Lebens
  • in ihm scheint die Zeit still zu stehen
  • löst uns aus der drückenden Hetze des Alltags
  • ist Zentrum besinnlichen Nachdenkens
  • hat eine einzigartige, nachhaltige Wirkung
  • wirkt auf den Menschen und den Raum, in dem er liegt
  • Die sich rhythmisch widerholenden Motive sind ein unbewusstes musikalisches Erlebnis
  • Spiegelbild der Seele

… und so weiter, und so weiter.

Wen wundert es da noch, dass sich die große Begeisterung für echte Orient-Teppiche durch die ganze (einigermaßen) nachvollziehbare Geschichte der Menschheit zieht?

Fest steht, dass (nicht nur) orientalische Teppiche von jeher auch als Bild- und Informationsträger dienen, was bedeutet, dass sie „geheime bzw. nicht gleich offensichtliche Botschaften“ vermitteln. Botschaften, deren „Träger“ jene geheimnisvolle Energie ist, die von den Farben, Symbolen und Mustern ausgeht.

 

Spiegelungen in unserer Zeit

 

Nicht zu leugnen ist die Tatsache, dass seit etwa 30 (vielleicht auch ein paar mehr) Jahren Orientteppiche von der "breiten Masse" immer weniger beachtet, ja, teilweise sogar verächtlich belächelt, werden. Hatte damals, bis ungefähr Anfang der achtziger Jahre, fast jeder mindestens einen, wenigstens einen ganz kleinen, handgeknüpften Teppich, in seiner Wohnung, so sind es heute vorwiegend nur noch die wahren Liebhaber, die sich wie eh und je dafür begeistern.

Also ist es doch nicht so weit her, mit der Wirkung der darin verknüpften Symbole und Muster, könnte man meinen. Das wäre jedoch viel zu oberflächlich betrachtet. Sieht man nämlich genauer - und ganzheitlicher - hin, entdeckt man eine erstaunliche Parallele. Eine Entwicklung, die ziemlich genau zu dem Zeitpunkt einsetzte, als die Begeisterung für orientalische Teppiche abebbte, so dass dies auf einen tieferen Zusammenhang hindeuten könnte.

"Die große Sehnsucht" nach Mustern, Farben und Ornamenten (bzw. deren Wirkung auf uns) ist damals nicht verloren gegangen, sondern - im Gegenteil, sie hat sich als unerklärliches Phänomen explosionsartig über den ganzen Globus ausgebreitet.

Nur der Bild- und Informationsträger ist ein anderer geworden:

Jetzt ist es der menschliche Körper selbst.

 

Die Sehnsucht nach Tattoos

 

Gleichzeitig mit dem nachlassenden Interesse an orientalischen Teppichen breitete sich weltweit und immer schneller (die Bewegung ist noch immer aktiv) die Begeisterung für Tattos aus, und Tätowierstuben schossen weltweit wie Pilze aus dem Boden.

Und was sehen wir heute, nahezu jeden Tag, wohin wir auch schauen?

Menschen, die über und über - immer häufiger teppichartig - mit farbenprächtigen Bildern, Zeichen, Symbolen und Ornamenten tätowiert sind, von denen sich unzählige exakt so in Orientteppichen - und auch in den Strukturen des Lichts - wiederfinden. Kreuze zum Beispiel, in vielen Variationen, wobei das Jerusalemkreuz ein besonders beliebtes Symbol ist, aber auch urzeitliche Symbole, wie den Anker, das Sonnenrad, unterschiedliche Mandalas, Zackenlinien, Spiralen, Rauten und viele andere, denen eine besondere - oft spirituelle - Bedeutung zugesprochen wird. Man könnte meinen, dass die Menschheit (unbewusst) dabei ist, sich mit den Strukturen des Lichts (im Universum) zu synchronisieren und das Innere – also die individuellen Lebenserfahrungen des Einzelnen - als bildgewordene Essenz des Erlebten, mit dem Äußeren, bzw. mit den Strukturen des Lichts, in Einklang gebracht werden sollen.

 

Der Mensch trägt sein Innerstes nach außen und offenbart es dem Universum – als Spiegelbild dessen, was sich in den verborgenen Strukturen des Lichts befindet.

 

Vergleicht man die oft genannten Gründe, sich tätowieren zu lassen, mit den zuvor zusammengefassten Attributen, die Orientteppichen zugeschrieben werden, so sind viele - leicht umformuliert - nahezu deckungsgleich.

Dennoch gibt es ganz wesentliche Unterschiede zwischen den Mustern und Symbolen "echter" Orientteppiche und den Tätowierungen auf der Haut. Im ersteren Fall handelt es sich um Symbole und Muster, die über Generationen hinweg überliefert und weitergegeben wurden, oder (vereinzelt noch immer) in einem meditativen Zustand von Schamanen und Heilern oder auch direkt des Webers oder der Weberin " aus der Natur" in den Teppich einfließen.

Daran gibt es nichts Falsches, Unwahres, Unechtes.

Was aus dem Licht in die Teppiche „einfließt“ und sich darin offenbart, ist die „wahre Natur“, in der es nichts Falsches gibt. Die „wahre Natur“ entspricht dem Urzustand des Lichts und somit dem reinen Zustand der göttlichen Liebe (Re und Maat) – was die Begeisterung für die so (bzw. daraus) gewebten Teppiche verständlich macht.

 

Es ist der einzige Zustand, der das ermöglicht, was unter Punkt 1 angeführt wurde:

Er erschafft eine dichte, schützende Atmosphäre.

Ein dichtgewebtes Netzwerk aus der feinsten Energie, die im Licht existiert, und die andere störende, gröbere Energiezustände nicht oder nur sehr schwer eindringen lässt. Wir nennen diese feinste aller Energieformen, die aus den kleinsten Teilchen des Lichts besteht, „Liebe“, „Licht (-Bewusstsein)“ oder  „Gott“.

 

 

Farben, Muster und Ornamente

 

Hierzu noch einmal ein kurzer Auszug aus einem Buch, der es wunderbar zum Ausdruck bringt:

 

„Die große Mannigfaltigkeit orientalischer Teppiche ist selbst für einen Fachmann oft geradezu verwirrend. Wir denken hier nicht nur an die Prachterzeugnisse der klassischen Knüpfkunst Persiens mit ihren komplizierten, zwei- bis dreifach übereinander geschichteten Mustersystemen, die wie unauflösbare Rätsel wirken. Abgesehen von diesen Spitzenleistungen gibt es viele anspruchsvolle Teppicharten mit zahlreichen Varianten verschiedener Ornamentik und Stilrichtung, die, durch Jahrtausende entwickelt, ein Wunder an Form- und Farbkomposition darstellen. Der sonderbare Farbzusammenklang ihrer Motive, oft von starker Suggestivkraft, bannt unseren Blick.  Das edelsteinartige Leuchten der Farben und die Anmut des Dekors bewegen unser Gemüt. Was hat da alles mitgewirkt, um diesen Zauber zu erreichen?“

Die stilistische Vielfältigkeit der Teppiche, ihr Reichtum an Ornamentik und Komposition sind wie die sich ständig ändernden Gebilde des Kaleidoskops. (…) (Quelle: Der Zauber orientalischer Teppiche, Stefan A. Milhofer, Silva-Verlag, 1971)

 

Eine universelle Sprache

 

Vielfach ist zu lesen, dass die unglaubliche Vielfalt der Muster, Farben und Ornamente selbst für Fachleute nur in Teilbereichen nachvollziehbar ist, und noch heute wird über Alter, Herkunft, Entwicklung, Verbreitung und Bedeutung der Strukturen, Muster usw. gerätselt. Dennoch sind die Bedeutungen diverser Muster überliefert, und man rätselt, warum sie vielfach, auch bei diversen Völkern, die vermeintlich nie Kontakt hatten, die gleichen sind.

Die ganzheitliche Betrachtung aller diesbezüglichen Informationen und Hinweise legt den Gedanken nahe, dass es sich bei den Zeichen, Symbolen und Mustern um eine universelle und lesbare Sprache der Natur (mit äußerst positiver Wirkung auf den Betrachter) handelt, die nur darauf wartet, entziffert und gelesen zu werden.

 

„Licht ist dein Kleid, das du anhast; du breitest aus den Himmel wie einen Teppich.“

Bibel, Psalm 104.2 (Luther 1912)

 

Die weit überwiegende Anzahl aller (nicht nur) orientalischen Knüpfteppiche zeigen „christliche Symbole“, wie Kreuze und kreuzähnliche Zeichen. Aber auch Pyramiden und Mandalas (geometrische Schaubilder), die im Hinduismus und Buddhismus eine religiöse und magische Bedeutung haben und u.a. das Universum und den Weg zu Gott symbolisieren, sind in vielen Variationen zu sehen. Sehr häufig befinden sie sich – auch im Licht - als Medaillon in die Mitte größerer Zusammenhänge, die sich als „universelle Teppiche“ darstellen.  

 

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