2009 (beginnend 2008)

Bunte Bilder und Selbsterkenntnis

 

Es begann irgendwann im Jahr 2008…

Während ich mich fast täglich mit der Frage auseinandersetzte, wie ich die erstaunlichen und sehr interessanten Erkenntnisse am besten zusammenfassen könnte, zu denen ich durch häufige Meditation und das ständige Bemühen um Selbsterkenntnis gelangte, spürte ich immer deutlicher „den inneren Drang“ „bunte Bilder“ zu malen. Es ist schwer in Worte zu fassen: Ich hatte das starke Bedürfnis, mit kräftig bunten Farben auf Leinwände zu malen. Es kam „aus dem Nichts“ und wurde mit der Zeit so stark, dass ich dem nachgeben musste und tatsächlich innerhalb einiger Monate – noch bis Anfang Mai 2009 – einige großformatige „sehr bunte Bilder“ malte. Zuletzt die beiden hier gezeigten „Ortsbilder“, von Rhüden und Mechtshausen, in denen ich jeweils die Dinge ungeordnet in den Fokus rückte, denen ich (spontan) – für mich - eine besondere Bedeutung zumaß; in bunten Farben, vollkommen falschen Anordnungen, Perspektiven und Größenverhältnissen.

Ebenso wie mit meinem Wohn- und Geburtsort ging ich mit dem Bild von Mechtshausen (3 km von Rhüden entfernt) vor, dem letzten Wohnort und Bestattungsort von Wilhelm Busch, dessen Grab ich schon viele Male besucht – und dessen (ausgeschilderten) Wanderweg ich, zuletzt am 08. Juni 2010, mit meinem kleinen Hund Jonas gegangen bin.

Ich nahm`s nicht so genau, könnte man sagen – und malte einfach so drauflos.

 

Oben: Links das "Rhüdenbild", rechts das "Mechtshausenbild", ©Annette Andersen

 

Erst später wurde mir klar, dass das nicht stimmt. Tatsächlich befand ich mich – nicht nur „geistig“ – auf dem Weg der Selbsterkenntnis…

Die Bilder zeigen, was immer geschieht, wenn wir an vergangene Geschehnisse zurückdenken. Die Geschehnisse rücken auf das Wesentliche zusammen und wir sehen sie in unwirklichen, falschen Farben, Perspektiven und Zusammenhängen, die den Tatsachen meist gar nicht mehr entsprechen. Was keine besondere Bedeutung für uns hatte, lassen wir – zumeist unbewusst - ganz fallen, andere Dinge glorifizieren wir, schmücken sie aus und weisen ihnen Bedeutungen zu, die oft gar nicht den Tatsachen entsprechen. Unsere Welt wird im Rückblick auf sehr besondere, intime Weise absolut individuell (jeder Mensch, auch mit scheinbar gleichen Erfahrungen, würde sein Bild anders gestalten). Alles rückt dicht zusammen und erscheint uns (auch) deshalb, wie im Eiltempo vergangen.

Es geht dabei um Selbsterkenntnis; um die Frage, die nur jeder für sich selbst beantworten kann, nämlich, was ihm in seinem Leben wichtig genug erscheint, um es lebenslang bewusst zu erhalten, in sich zu bewahren und immer neu bunt „aus- und anzumalen“.

 

Allerdings gibt es auch jene Dinge, die nicht offen gezeigt oder gar ausgemalt werden sollen: Dinge, an die man nicht gern denkt, die man tief in sich vergraben hat, um nicht daran zu rühren und nicht daran denken zu müssen. Dinge, die aus dem Bewusstsein verdrängt werden, weil sie sehr weh tun, uns quälen und verwirren, uns an schlimme Dinge erinnern; Schmerzliche Dinge die uns selbst angetan oder die wir anderen angetan haben. Ja, auch „das Böse“ existiert in uns – und die Angst davor, dass es zutage tritt…

 

Alles, ausnahmslos alles, was uns im Leben begegnet, was wir sehen, erleben, erfahren, spüren etc. hat in uns seinen Platz und ist miteinander eng und untrennbar verknüpft; dazu gehören auch all jene Dinge, die uns zutiefst ängstigen, und die wir u.a. deshalb ständig verdrängen. Wir haben sie in die hintersten, dunkelsten, unzugänglichsten Ecken, in einem „tiefen Keller“ in uns, verdrängt, in den wir uns nur dann hinabwagen, wenn es sich wirklich nicht umgehen lässt. Dort ist es dunkel, kalt, gruselig – und in den Ecken hausen Spinnen, die überall ihre Netze weben, in denen wir uns verfangen können, sobald wir den Keller betreten…

Die weltweit verbreitete „Ur-Angst“ vor Spinnen, so scheint es, könnte hiermit in Verbindung stehen. Die „Wächter“ und zugleich das „Flüchtigste“ im Keller, sind die Spinnen; sie finden sich sowohl in der Dunkelheit, wie auch im Licht zurecht und können die „Dimensionen“ problemlos und sehr schnell wechseln, auch schon dann, wenn wir nur die Tür zum Keller öffnen…

 

Auf dem Weg der Selbsterkenntnis, der uns bis in die tiefsten Ecken unseres Selbst (bis zur Erkenntnis, wer wir sind und woher wir kommen) führen soll, führt kein Weg daran vorbei, sich auch dem „inneren Keller“ und all dem zu stellen, was sich darin befindet. Wir müssen (um zur Wahrheit zu gelangen) unsere größten Ängste – welche das auch sein mögen -  überwinden, und den Keller (bzw. auch die dunkelsten Ecken in uns selbst) „aufräumen“. Dann erst ist der Weg (zum „Aufstieg“ bzw. zu neuen Erkenntnissen) frei.  

 

Tatsächlich begegneten mir (sehr real und über einen recht langen Zeitraum) „seltsame Spinnen“, als ich mich meinem „inneren Keller“ zuwandte. Dazu an anderer Stelle mehr.

 

06. Mai 2009

 

Tief in Gedanken um diesbezügliche Zusammenhänge versunken saß ich am 06. Mai 2009 am Tisch (ich erinnere ich gut daran) und kritzelte mit einem Bleistift „ganz automatisch“ auf einem kleinen Skizzenblock herum, der vor mir lag.

Als ich den Fokus bewusst darauf richtete und mir betrachtete, was ich da aufs Papier gekritzelt hatte, konnte ich damit nichts anfangen. Ein seltsames Bild, dachte ich…

Eine hohle, durchlöcherte Maske ohne Nase. Kreise, Kugeln, Palmen im Hintergrund, eine „komische Pyramide“, zudem, Maße und Gewichte, eine Katze, mit einem Geodreieck um den Hals, um deren Schwanz sich eine Schlange windet, deren zwei Pfeile auf dem Kopf in zwei verschiedene Richtungen weisen…

Schwach ist ein Netz zu erkennen… Auf dem Kopf hat die Maske eine seltsame Rolle liegen, und sie wirkt wie geschminkt und ist, wie es scheint, am Ohr mit Schmuck behängt – sie scheint weiblich zu sein. Große Augen, die nach oben sehen, ein seltsamer Mund, wie aus Buchstaben zusammengebaut…

Ich übertrug das Bild auf eine Leinwand, „beschönigte“ einige Stellen, modellierte und radierte daran herum (zum Beispiel an der nicht vorhandenen Nase) – und hatte keine Vorstellung davon, wie ich dies Bild „bunt“ bemalten sollte…

 

Auf die Idee, dass ich den (stilisierten) Kopf der Sphinx gemalt haben könnte, kam ich nicht, ich ging davon aus, eine „seltsame Maske“ vor mir zu haben. Und ich ahnte nicht, dass eine Taube – durch sehr seltsames Verhalten -  mir dies Bild (über ein Jahr später) wieder ins Gedächtnis rufen würde und mir den Hinweis gab, dass ich es mit dem Alten Ägypten zu tun habe – und tatsächlich mit der Sphinx. Es dauerte noch eine Weile, und andere interessante Dinge passierten.

Die „Phase der bunten Bilder“ endeten hier, mit den beiden Skizzen. Bis heute habe ich sie nicht bemalt.